Der Anschlag

Was berichten uns die Medien über einen Terroranschlag? Eine reißerische Nachricht besteht aus einer Schlagzeile, der Zahl der Todesopfer, dem Werkzeug der Gewalt und einem Adjektiv der Verachtung über den oder die Täter.

Die Pressemitteilung selbst enthält meist nur sehr wenige Details über die Opfer (es sei denn, es sind Kinder darunter oder Ausländer betroffen). Es schließt sich die Bitte an, keine Bilder vom Tatort zu machen und ins Internet zu stellen.

Dann folgt die Berichterstattung nach folgendem bewährtem Muster: es werden betroffene Politiker mit ernsthaften Gesichtern interviewt. Die Crime Story über den mutmaßlichen Täter wird konstruiert. Und Fehler der Ermittlungsbehörden werden ‚aufgedeckt‘. Die öffentliche Anteilnahme und das Bekunden, in einer offenen und gewaltfreien Gesellschaft leben zu wollen, wird eingeschlossen.

Die politische Rechte und die Opposition nutzen die Zeit, um gegen die politischen Mehrheitsverhältnisse zu wettern. Sie fordern handeln, die Verschärfung der Gesetze und Maßnahmen gegen die vermeintlich allseits drohende Gefahr.

Dann kommen in der Tagesschau plötzlich auch Nachrichten von anderen Anschlägen auf der Welt, die weit verheerender sind und große Opferzahlen fordern. Das alles ist egal. Denn die Tat vor der Haustür ist maßgeblich – und einzig das zählt.

Das alles geht an dem vorbei, was wirklich betroffen macht: was haben die erlebt, die den Anschlag überlebt haben? Was haben Sie gesehen? Was taucht als Erinnerungsfetzen wieder auf? Was tun die Sicherheits- und Sicherungskräfte? Was finden Sie vor? Wer sind eigentlich diejenigen, die aufräumen? Diese Akteure sind entschlossene und tapfere Handelnde, aber nicht die eigentlichen Opfer: jedoch haben sie die Bilder vor Augen, die sie oft nicht mehr loswerden. Sie haben die Situationen zu überwinden, die in der Verfahrensanweisung zum Umgang mit Anschlägen nicht auftauchen. Hinter der Fassade und dem Ritual gibt es tatsächlich den Abschlag und die gemeinen Details, die uns aus Neugierde zum Voyeur machen, wir aber auf keinen Fall sehen wollen.

Der Anschlag ist zum Topos der öffentlich zelebrierten Nachrichten geworden – austauschbar und ohne Bezug zu den betroffenen Menschen. Dafür können die Medien immer wieder ein kleines Schauspiel veranstalten, auf das sich Politiker stürzen, die die Regierenden eine Mitverantwortung an-reden. Es ist wie ein Drama nach demselben Muster, das wir gerne sehen.

 

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