Wie viel Selbstliebe erträgt meine Umwelt?

Ein wichtiges Thema bleibt den Menschen: ihr Blick auf sich selbst. Bin ich eigentlich ok? Was meinen die anderen? Inwieweit soll ich meine Interessen gegen die der anderen durchsetzen? Ist es wichtiger, dass ich mit mir im Einklang bin – oder die anderen mich mögen?

Die Hochphase dieser Auseinandersetzung ist die Pubertät: dann will man wissen, worauf man sich einlässt und wie es weitergeht. Offensichtlich erzwingt der interne biologische hormonelle Aufruhr diese Auseinandersetzung.

Doch bleibt es stets ein Lebensthema: denn die Bedürfnisse nach Wertschätzung von außen und Zufriedenheit von innen bleiben immer in einer heiklen Balance – meist stark beeinflusst von den eigenen Stimmungen und dem Lebensumfeld.

Die eine Fraktion rät zum Leben, das bewusst auf die Erwartungen der Umwelt reagiert. Vor allem die Tipps und Empfehlungen in der Business Welt zeugen von der steten Annäherung an den Mainstream: wie man sich beim Abschied aus der Firma verhält, wen man duzt oder was man an Kleidung trägt. Die Autoren scheuen sich nicht, den Zeitgeist in konkrete Handlungsanweisungen zu packen. Das ähnelt dem Zureden der Eltern in der eigenen Jugend.

Die andere Fraktion rät zur dominanten Orientierung an den eigenen Bedürfnissen. Nur so entstünde innerer Friede. Es wird das Bild des inneren Kindes ins Feld geführt, wonach die Trotzphase des vier-jährigen Vorbild für jeden Erwachsenen ist. Nur so kann sich die eigene Identität entwickeln und mit Zufriedenheit einhergehen. Geht man nicht den Weg, wird man nach den Vorhersagen der Autoren krank.

Die riesige Fülle von Ratgeberliteratur zeigt, dass das Bedürfnis nach einem Leben ohne Konflikte mit sich oder der sozialen Umwelt immer präsent ist. Nur im Alter, so könnte man meinen, schwindet der Anspruch. Dann lebt man ohnehin nur noch nach seinen ureigensten schrulligen Bedürfnissen; was die Nachbarn sagen, wird zunehmend gleichgültig; die Fokussierung auf das geistige und körperliche Können determiniert dann auch das Wollen.

Zur Frage zurück: was passiert denn, wenn die anderen die Augenbrauen heben, getuschelt wird und zweideutige Bemerkungen gemacht werden? Ist es nur Anlass für ein Innehalten, ein Spüren, ein Reflektieren? Oder wirft es uns vielleicht in eine mentale Krise? Option B wäre die schon körperliche Bewegung, Rückgrat steif, Brust heraus. Soll man eher im vertrauten Kreise der Familie und Freunde aufgehen – oder mit sich ins Reine kommen wollen? Wohl wird nur das konkrete Leben darauf Antworten finden.

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