Verzweiflung

Es gibt im Leben Situationen, die die Einzelperson in einen Zustand der Verzweiflung versetzt. Ich bin überzeugt davon, dass der Begriff leichter daher kommt als die Menschen dann empfinden.

Denn Verzweiflung ist ein Gefühl der Ausweglosigkeit, der Ohnmacht und der Unlösbarkeit. Es ist weit mehr als nur Zweifel und nur ein bisschen viel davon. Es hat etwas Apokalyptisches und Dämonisches; etwas von Endzeitstimmung. Verzweiflung ist wie ein Labyrinth, das nicht mehr verlassen werden kann. Wohin man sich auch wendet, überall ist die Grenze, vielleicht gar der Schmerz.

Das Seltsame an diesem Zustand ist, dass man ihn unbedingt verlasen will. Ein Beispiel könnte eine ernsthafte Erkrankung sein, ein anderes der Verlust eines nahen Menschen. Die Sorge um die materielle Existenz ist ein weiteres. Stets handelt es sich um längere Zeiträume, in denen man die Festen seines Lebens vergehen sieht. Es ist wie der nahe Tod.

Diesen Zustand erfahren einige Menschen mit aller Härte und Reinheit, andere schweben durchs Leben. Doch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass jeder davon einmal irgendwo und irgendwann getroffen wird.

Der Körper läuft dann rund, mehr noch die Gedanken und Gefühle. Alles ist in einer seltsamen Alarmbereitschaft und sucht nach Lösung.

Den Menschen in Verzweiflung sieht man es nur dann an, wenn sie einen plötzlichen Schub bekommen. Die bildnerische Kunst hat dies über Jahrhunderte festzuhalten versucht. Dann sieht man dort die aufgerissenen Augen und die zerzausten Haare. Aber es gibt auch die schleichende Verzweiflung, die Körper und Geist verunsichert, schwächt und schließlich erkranken lässt. Auch das ist durch die Kunst ausgebeutet, sei es durch historische Literatur oder zeitgenössisches Kino.

Verzweiflung wird jedoch von den Menschen verborgen, zu unsicher und verletzlich ist man in diesem Zustand. Wenn überhaupt offenbart sich der Mensch gegenüber Freunden. Dann aber hat das meist die Funktion einer Ventilierung, endlich einmal in seinem Kopf Platz zu schaffen, indem man sich leer redet.

Es gibt eine Reihe von Populärliteratur, die damit wirbt, Verzweiflung zu erleichtern oder gar aufzulösen. Doch meist endet sie nur aus Schwäche, die Aufgabe, das Vergessen oder günstige Umstände – wir überleben in der Regel Zeiten der Verzweiflung.

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