Laufen

Da warf mir doch jemand vor, ich würde nur laufen, um einen Ausgleich für psychischen Stress zu haben: „Sie laufen sich ja doch nur die Seele aus dem Hals!“

Das provoziert den Läufer doch immer wieder, darüber nachzudenken, warum man das eigentlich tut. Wieso läuft er denn durch die Straßen, zieht Blicke auf sich, trägt komische Kleidung und steht auf statt sich einen bequemen Feierabend zu machen?

Der zwischenzeitlich verrentete Skifahrer Neureuther wurde nach Abschluss seiner Karriere gefragt, was er denn nun zu tun gedenke. Seine Antwort: Spaß an der Bewegung vermitteln! Hm, sollte man Spaß dabei empfinden, nach einem längeren Lauf mit schweren Beinen ins Ziel zu laufen?

Wann sonst spürt man denn seinen Körper sonst? Nur bei Erkrankungen und Dysfunktionen bemerkt man, dass da noch etwas ist, i.e. dieser Körper. Er ist eine Hülle, von der man glaubt, dass sie so funktioniert wie ein Motor. Ist etwas kaputt, geht man eben zum Arzt. Und der repariert ihn dann wieder.

Manche Leute mögen schon das Schwitzen nicht. Sie treiben keinen Sport, da man dabei ja außer Form gerät: die Haare werden nass; das Hemd hüpft heraus; man wird schmutzig; die Wangen röten; die Füße werden dick; vielleicht bekommt man einen Muskelkater – alles komische Dinge, die sich vermeiden lassen.

Laufen ist jedoch etwas, dass man am besten vermittelt bekommt, wenn man es denn einmal tut. Erklären ist schwierig. Denn dann stellt sich ein neues Ganz-Körpergefühl ein, das mit einigen Verzückungen gesegnet ist: man fühlt sich frisch; es stellt sich Entspannung ein; ein Gefühl von Leistung entsteht; die kleinen Malaisen und Spannungen verschwinden. Es ist rundum ein kleines Rauschgefühl – und dazu noch gesund.

Wenn es im Kognitiven, Seelischen und Psychologischen so etwas wie eine Erfüllung geben könnte, auf die man sich über seine Persönlichkeitsentwicklung zubewegt, dann ist Laufen wohl die körperliche Erfüllung: denn unser staksiger Körper ist genau daraufhin angelegt!

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