Ich irre mich

Der Mensch von heute irrt nicht selbst: er wird verwirrt; er wird verführt; er wird abgelenkt; er wird Opfer des Kontextes, seiner Umstände.

Kürzlich widerfuhr es mir auch: bei einer Kleinigkeit hatte ich schlicht nicht richtig nachgedacht: ich hatte mich geirrt. Mir war klar, dass ich einen Fehler gemacht hatte – Ja gemacht! Er war mir nicht ‚unterlaufen’.

Bei meiner internen Fehlersuche kam ich schnell auf die Quelle meines Fehlers: es war Trägheit und der Mangel an Sorgfalt. Ich hätte das mit Konzentration lösen können. Insoweit war dies einer dieser berühmtem Flüchtigkeitsfehler.

Es gibt aber auch Fehler bei eigenen Operationen, bei denen weder Wissen noch Kompetenz ausreichen. Klassisch dafür sind kleinere mathematische Aufgaben oder Quizze in den öffentlichen Medien. Es reicht dann schlicht nicht, eine Aufgabe zu lösen.

Immer wieder bin ich selbst erstaunt, wie schwach mein aktives Wissen sein kann. Dann kann ich Dinge nicht abrufen, die mir immer bekannt waren. Ich könnte dann sagen: „eigentlich weiß ich das. Doch irgendwie komme ich gerade nicht darauf. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich müde bin.“

Eine beliebte Erklärung für nicht Wissen ist auch das Abtun: „heutzutage ist doch überall alles abrufbar. Da muss man nicht selbst noch Wissen anhäufen und sich anstrengen.“ „Wichtig ist doch nur zu wissen, wo etwas steht.“ Und wenn dann jemand mit Detailkenntnissen über irgendeinen Sachverhalt glänzt, dann wird dies durch andere Äußerungen abgewertet: „Das gehört wahrscheinlich auch zum Lexikon unnützen Wissens.“

Gleichzeitig gibt es eine Tradition, Denkfehler aufzudecken, die immer wieder und von allen Menschen begangen werden. Sie irren sich; werden aber auch zu Fehlern verleitet.

Es ist interessant, wie sehr der Mensch von der Fehlerfreiheit seines Denkens ausgeht und überzeugt ist. Gar wird es zum Entscheidungskriterium für so vieles statuiert. Beispiel ist der Augenzeugen-Nachweis. Er wird oft zur Grundlage dafür gemacht, dass ein Freiheitsentzug verhängt wird.

Der heutige Mensch traut seinem Denken alles zu. Es ist seltsam: denn während der Schulzeit wird ihm durch die Notengebung geradezu ständig vor Augen geführt, dass es ein Delta zur Perfektion, also zur Fehlerfreiheit gibt.

Das ist auch Aufklärung!

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